Montag, 4. August 2014

Kultursprung, Entmännlichung und die gerechte Sprache.

aus scinexx                                                                                          Verweiblicht oder verknabt?


Mehr Kultur durch weniger Testosteron?
Entwicklungsschub des modernen Menschen möglicherweise durch hormonelle Veränderungen 

Kulturschub durch kooperatives Temperament? Der plötzliche Sprung in der Entwicklung des modernen Menschen vor 50.000 Jahren könnte auf einen geringeren Testosteron-Spiegel und damit einhergehendes sanfteres Gemüt zurückgehen. US-Forscher haben festgestellt, dass genau zu dieser Zeit die Gesichter der Menschen femininere Züge annahmen – ein typisches Zeichen einer geringeren Wirkung von Testosteron. Weniger männliche Geschlechtshormone könnten die Menschen sanfter gemacht haben und damit zu kooperativen Kulturschaffenden, vermuten die Anthropologen im Magazin "Current Anthropology".

Hormone beeinflussen nicht nur die Form des Gesichts, sondern könnten auch kulturell entscheidende Veränderungen im Sozialverhalten des modernen Menschen bewirkt haben.

Moderne Menschen gibt es bereits seit etwa 200.000 Jahren, doch ihre kulturellen Leistungen blieben lange recht dürftig - erst vor rund 50.000 Jahren begannen Kunst und Technik zu erblühen. Warum der moderne Mensch nach 150.000 Jahren bescheidener Kulturentwicklung plötzlich einen solchen technologischen Sprung machte, ist bis heute eine offene Frage der Anthropologie. Funde zeigen, dass unsere Vorfahren vor etwa 50.000 Jahren begannen, buchstäblich ausgefeilte Werkzeuge herzustellen, komplexere Jagdmethoden zu entwickeln und Kunstformen hervorzubringen. War dieser Kultur-Schub auf Mutationen des Gehirns zurückzuführen, auf gekochtes Essen, Sprache oder auf die zunehmende Bevölkerungsdichte?
 

Robert Cieri von der Duke University in Durham und seine Kollegen werfen nun eine weitere mögliche Zutat in den Topf: Veränderungen im Hormonhaushalt, genauer gesagt beim "männlichen" Geschlechtshormon Testosteron. Die Forscher werteten die Merkmale von fossilen Schädeln moderner Menschen aus unterschiedlichen Epochen aus und verglichen sie mit den Gesichtsknochen heutiger Menschen verschiedener ethnischer Herkunft. Besondere Aufmerksamkeit legten sie auf die Eigenschaften der Überaugenwülste, der Gesichtsform und von weiteren charakteristischen Strukturen. 

Dieses zusammengesetzte Bild zeigt auf der linken Seite den Schädel eines archaischen modernen Menschen und rechts den eines heutigen.
Kultur durch kooperatives Temperament

Die Analysen ergaben: Insgesamt [!] wurden die Gesichter runder und femininer, sagen die Forscher. Im Zeitrahmen von vor ungefähr 50.000 Jahren zeichnete sich ein deutlicher Trend zur Verkleinerung der
Überaugenwülste ab sowie zu einer Verkürzung des oberen Gesichtsbereiches. Ihnen zufolge sind aber genau dies die typischen Effekte eines niedrigeren Testosteronspiegels auf die Entwicklung der
Knochen. Die damaligen Menschen wurden also in gewisser Weise femininer. Dies könnte auch mit entsprechenden Verhaltensänderungen einhergegangen sein, so die Anthropologen.
Demnach wirkten sich weichere Umgangsformen durch weniger Testosteron günstig auf das Sozialverhalten aus. "Die kulturellen Innovationen gingen wahrscheinlich Hand in Hand mit einem kooperativeren Temperament", so Robert Cieri. "Der Schlüssel unseres Erfolges ist unsere Fähigkeit, miteinander gut auszukommen, zu kooperieren und voneinander zu lernen", ergänzt der Anthropologe. 

Schimpansen unterstützen Theorie

Den Forschern zufolge unterstützen ihre Theorie Untersuchungsergebnisse bei unseren nächsten Verwandten im Tierreich: Den Schimpansen und ihren zierlicheren Verwandten den Bonobos – die auch als die sanften Hippie-Schimpansen bekannt sind. Diese beiden Arten entwickeln sich sehr unterschiedlich, erklärt Co-Autor Brian Hare: Bei männlichen Schimpansen kommt es in der Pubertät zu einem starken Anstieg des Testosteron-Levels – bei Bonobos ist dieser Sprung weniger stark ausgeprägt. Bei ihnen wird auch unter Stress nicht mehr Testosteron gebildet, bei Schimpansen hingegen schon.

 

Dies scheint sich in dem unterschiedlichen Verhalten und Aussehen der beiden Arten widerzuspiegeln: Bonobo-Männchen sind im Vergleich zu Schimpansen vergleichsweise zierlich gebaut und deutlich friedfertiger. Die Sozialgemeinschaften der Bonobos sind außerdem größer, stabiler und vor allem Weibchen übernehmen Führungspositionen. „Ergebnisse bei Tieren können durchaus ebenfalls erklären helfen, wie wir zu dem wurden, was wir heute sind", meint Hare.
 

(Current Anthropology, 2014; doi: 10.1086/677209) 

(Duke University / Cieri et al., Current Anthropology, 04.08.2014 - MVI/AKR) 

Nota.

Weniger Testosteron heißt Entmännlichung; mehr Östrogen würde Verweiblichung heißen, richtig?
 
Was die Forscher da festgestellt haben, ist eine Entspezifizierung des männlichen Geschlechtscharakters, dessen vollkommene Ausreifung gehemmt wurde; eine Verkindlichung, allenfalls "Verknabung", die in der biologischen Anthropologie längst unter dem Stichwort Neotenie bekannt ist. 

Dass der Sexismus sich nicht zuletzt durch die Sprache breitmacht, ist leider wahr, amerikanische Naturwissenschaftler sollten sich in Acht nehmen und vor feministischer Plörre hüten, die macht alle Wissenschaft zunichte. Stattdessen sollten sie, denn das ist ein historisch wirklich bemerkenswertes Phänomen, dem eigentümlichen Umstand nachgehen, dass anscheinend rund um die Welt im Laufe der Geschichte die Zunahme kindlicher - morphologischer wie charakterlicher - Eigenschaften bei Homo sapiens der Weiblichkeit zugeschlagen wird, während das genuin Weibliche  mit der Venus von Willendorf im naturgeschichtlichen Museum entsorgt wird (im Stadtpark trifft mann es auch noch, beim Joggen und Sonnenbaden).
JE

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