Dienstag, 22. August 2017

Fluch der Mutter.

K. Kollwitz 
aus Die Presse, Wien,

Die „Töchter des Königs“ brachten den „Fluch der Mutter“
Die Vermutung, dass die nur von den Müttern vererbte mt-DNA für Söhne schlecht sein kann, wurde an Menschen bestätigt.


Hillary Clinton und Madonna und unzählige weniger Prominente in Nordamerika haben ihre Existenz dem Sonnenkönig zu danken, Ludwig XIV. In dessen Reich ging die Sonne deshalb nie unter, weil auch Neufrankreich dazugehörte, ein Teil des heutigen Kanada. Das war weithin Wildnis, durch die Trapper und Glücksritter streiften, allesamt Männer. Aber der König wollte eine stabile Population aufbauen, und Landwirtschaft dazu. Deshalb wurden im Frankreich des 17. Jahr- hunderts „Töchter des Königs“ rekrutiert, Frauen in gebärfähigem Alter, die meisten aus armen Verhältnissen, oft Waisen.

Die wurden mit Geld ausgestattet, und mit einer Truhe, die Lebenswichtiges enthielt, von einem Wintermantel bis zu Nähnadeln und Garn. Um die 800 dieser Fuhren gingen nach Neufrankreich, zuvor wurden die Frauen – es gab bald Gerüchte, es seien auch Huren darunter –, medizinisch untersucht. Das Befürchtete hatten sie nicht, aber eine brachte etwas mit, was die damalige Medizin nicht diagnostizieren konnte, eine böse Mutation in der mitochondrialen DNA (mt-DNA), das ist die kleine Gengruppe der Zellkraftwerke, die nur von Müttern vererbt wird. Diese Mutation bringt den Kindern ein Augenleiden – Lebersche Optikusatrophie –, das in mittleren Jahren zu Erblindung führt.

mt-DNA hat kein Interesse an Männer

Das ist unter den Nachkommen der Töchter des Königs bis zum heutigen Tag verbreitet, Hillary und Madonna haben es nicht, es trifft vor allem Männer, acht Mal so häufig wie Frauen. Deshalb ist es ein idealer Kandidat dafür, die alte Hypothese vom „Fluch der Mutter“, die bisher nur an Labortieren getestet wurde, auch an Menschen zu prüfen: Ihr zufolge kommt der Fluch mit mt-DNA. Weil die nur von Müttern weitergegeben wird, werden in ihr auch nur Mutationen und andere Gendefekte korrigiert oder weggeschafft, die sich auf Frauen auswirken. Was sie Männern Übles tun, ist für mt-DNA uninteressant, das bleibt, und das hat schon vermuten lassen, die schwer erklärbare kürzere Lebensdauer der Männer rühre von mt-DNA.

Das ist Spekulation, bisher gab es ja keinen einzigen Beleg für die Hypothese, aber nun ist ein historischer Glücksfall zu Hilfe gekommen: In Kanada sind die Genealogien seit 1608 wohl dokumentiert, die Sterbedaten auch, man hat früher schon aus den alten Akten herausgelesen, welche Tochter des Königs die Mutation mitgebracht hat – bzw. eine ihrer drei Varianten: T14484, sie ist heute die am weitesten verbreitete –, sie wurde 1669 geboren und hatte selbst zehn Kinder, davon sechs Töchter.

Und nun hat Emmanuel Milo (Quebec) das Ergehen ihrer Erben dokumentiert, anhand der „Fitness“, für Biologen bemisst sich diese am Reproduktionserfolg: Der war (und ist) bei den männlichen Kindern und Kindeskindern etc. sehr viel geringer, das bestätigt den „Fluch der Mutter“. Allerdings steht etwas Unerwartetes und noch nicht Erklärtes dahinter: Die Fitness dieser Männer war gering, weil sie schon als Kleinkinder starben, wenn das Agenleiden sich überhaupt noch nicht bemerkbar macht. Umgekehrt ist die Fitness von Töchtern mit der Mutation etwas höher als bei denen ohne: Das Gen muss noch für anderes zuständig sein als für die Augen, vielleicht wurde gar auf es selektioniert (Nature Ecology & Evolution 21. 8.).

Es gibt ihn also, den „Fluch der Mutter“, die Frage ist, wie weit er reicht: Lange hat man mt-DNA nur für zuständig für die Zellkraftwerke gehalten, aber in den letzten Jahren haben sich so viele von ihr verursachte Leiden gezeigt, dass man in der Reproduktionsmedizin schon an „Kinder mit drei Eltern“ gegangen ist. Bei denen wird kranke mt-DNA in der Eizelle der Mutter durch gesunde einer Spenderin ersetzt. Ein derartiges Kind ist bekannt, es kam letztes Jahr zur Welt, ist gesund und, Zufall oder nicht, ein Bub.

Donnerstag, 17. August 2017

Sozial konstruiert?



Zweifel am wissenschaftlichen Charakter der Gender Studies gründen darin, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstand, bei der Auffassung, die unterschiedlichen Rollen, die Männer und Frauen in den verschiedenen Kulturen spielten und spielen, seien "ledig- lich sozial konstruiert", handle es sich um ihre erkenntnisleitende Prämisse, und Untersuchungen, die nicht davon ausgingen, hätten innerhalb dieses Fachs keinen Platz. 

Wenn es nämlich so wäre, hätten die Gender Studies ihren Platz nicht unter den Wissenschaften. Wäre der Forschungsgegenstand dagegen die Frage, ob und in welchem Maße das hier oder dort der Fall ist oder war, hätte die Forschungsdisziplin ihren natürlichen Platz unter den anderen Sozial- und Kulturwissenschaften.

Das Fach ist noch jung. An einigen Stellen wird es so, an anderen anders sein. Aber ganz neu ist es auch nicht mehr. Die Zeit ist reif, dass man an die beteiligten Institute endlich die Frage stellen darf, ob es bei ihnen so oder so ist, und die weitere Finanzierung davon abhängig macht.

Dass man sie füglich nicht alle über einen Kamm scheren kann, zeigt eine Untersuchung, von der Christiane Heil in der FAZ vom 16. 8. 2017 berichtet. ie amerikanische Psychologin Rachel Farr hat untersucht, ob Kinder, die von einem homosexuellen Paar adoptiert wurden, sich in der Entwciklung ihrer eigenen geschlechtlichen Identität von Kindern unterscheiden, die von einem heterosexuellen Paar adoptiert wurden.

Die FAZ schreibt: 

Farr, die an der Universität von Kentucky forscht, hatte für die Untersuchung insgesamt 106 amerikanische Adoptivfami- lien mit homosexuellen und heterosexuellen Eltern begleitet. Dabei beobachtete sie mehr als fünf Jahre lang, wie sich das geschlechtstypische Verhalten der Kinder während ihrer Entwicklung änderte. Ein Schwerpunkt der Untersuchung lag auf der Beobachtung, welches Spielzeug der Nachwuchs wählte und wie temperamentvoll er damit umging.

Wie Farr feststellte, verhielten sich die meisten Kinder ihrem Geschlecht entsprechend. Einige Jungen und Mädchen, die im Kindergartenalter Spielzeuge wählten, die üblicherweise nicht von Kindern ihres Geschlechts gewählt wurden, zeigten auch im Schulalter häufiger Interesse an für ihr Geschlecht untypischen Hobbys oder Aktivitäten.

Laut Farrs Studie spielte die Familienform keine Rolle dabei, ob sich die Kinder genderkonform oder nicht genderkon- form verhielten. Die Psychologin registrierte lediglich nach der Einschulung eine Hinwendung zu genderkonformerem Verhalten. „Es scheint, dass ein männliches oder weibliches Rollenvorbild zuhause nicht notwendig ist, um bei Adoptiv- kindern eine typische Genderentwicklung zu unterstützen oder sie von Gender-Nonkonformität abzuhalten“, sagte Farr.



Mittwoch, 16. August 2017

EMMA gegen Gender-Studies.



Was daraus folgt, ist vorrangig ein (Ver-)Urteilen um der Rüge, nicht um der Erkenntnis wegen. Das Fach bildet nicht zur Problemlösung aus, sondern vorrangig zum Beanstanden des Sprechens Dritter über etwas. 

Vojin Saša Vukadinović in EMMA


Nota. - Der Streit geht darum, dass den Bekennenden FeministInnen die Gender Studies nicht "parteilich" genug sind, wogegen die Gender Studies großen Wert auf ihre Wissenschaftlichkeit legen. Lies so: Für jene geht es um den Erhalt ihrer überflüssigen akademischen Jobs - die sie freilich den Straßenkämpferinnen verdanken; die aber gingen selber leer aus und ziehen jetzt lange Gesichter.
JE




 

Dienstag, 8. August 2017

Frauenhirne sind aktiver.


aus scinexx

Frauen haben aktivere Gehirne
Vergleichsstudie enthüllt deutliche Unterschiede zwischen Männer- und Frauengehirn

Männer und Frauen ticken doch anders: Das Gehirn von Frauen ist sowohl in Ruhe als auch beim lösen von Aufgaben aktiver als das der Männer, wie eine Studie enthüllt. Von 128 verglichenen Hirnregionen sind demnach bis zu 65 Areale bei den Frauen aktiver. Dazu gehören die Steuerzentrale im präfrontalen Cortex und das Emotionszentrum, während bei Männern Bereiche für das Sehen und die Koordination leicht aktiver waren. 

Ticken die Gehirne von Männern und Frauen wirklich anders? Über diese Frage wird seit Jahrzehnten diskutiert. Einerseits scheint es klare Unterschiede zu geben: Männer sind beispielsweise vergesslicher, dafür empfinden Frauen Stress und negative Gefühle stärker und neigen eher zu Depressionen. Andererseits unterscheiden sich die Gehirne beider Geschlechter strukturell weniger stark als landläufig angenommen – die Übergänge sind fließend.

Einen weiteren Aspekt haben nun Daniel Amen von Amen Clinics und seine Kollegen untersucht. Sie verglichen die Hirnaktivität von Männern und Frauen in Ruhe und bei verschiedenen Aufgaben mittels Photonenemissions-Computertomografie (SPECT). Dafür werteten sie gut 40.000 Hirnscans von 129 gesunden Versuchspersonen und von 23.683 Patientinnen und Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen aus.

Frauengehirn ist insgesamt aktiver
 
Das Ergebnis: In den 128 untersuchten Hirnarealen zeigten sich deutliche Aktivitäts-Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Insgesamt war das Gehirn der Frauen sowohl in Ruhe als auch bei den Aufgaben deutlich aktiver. Das ruhende Gehirn gesunder Frauen war in 65 Arealen aktiver als das der Männer, bei Konzentrationsaufgaben reagierten 48 Areale stärker, wie die Forscher berichten. 



(IOS Press, 08.08.2017 - NPO)


Nota. - Ich versuch's mal wieder mit gerechter Sprache: Auf den Dampf kommt's nicht an, sondern auf das, was der Kolben draus macht. Frauen haben auch aktivere Mundwerke.
JE 



Mittwoch, 2. August 2017

Die wahre Schule der Nation.



"Sex ist ein Menschenrecht, auch für alte Frauen" -  titelte die NZZ am Sonntag zum 29. Juli. 

Ich weiß nicht, wie es in der Schweiz ist. In unserer Bundesrepublik gehören die Menschenrechte zum Grundgesetz, ihre Wahrung ist die erste Pflicht des freiheitlich-demokratischen Gemeinwesens. Und wenn es die Menschenrechte nicht freiwillig durchsetzt, darf frau klagen vor Gericht. Nachdem wir die Wehrpflicht für die jungen Männer ja abgeschafft haben, wäre dies ein politisch korrekter Weg, sie wieder in den Dienst der Gemeinschaft zu nehmen. Eine wahre Schule der Zivilcourage.





Sonntag, 30. Juli 2017

Mannes Kraft: Blinder Alarm.

  khcsucks

aus FAZ.NET, 28. 7. 2917

Die laut einer Studie vom vergangenen Dienstag gesunkene Spermienanzahl von Männern in westlichen Ländern ist aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) kein Grund zur Beunruhigung. Man sehe die Zeugungsfähigkeit in westlichen Industrienationen „nicht akut gefährdet“, teilte die DGU mit. Sorgen müssten sich die Männer nicht machen, erklärte die Fachärztin für Reproduktionsmedizin und Andrologie Sabine Kliesch. Die in der Studie gezeigten Verände- rungen lägen „alle in einem hochnormalen Bereich“. ...

Nicht an der Studie beteiligte Experten hatten betont, dass anhand der Daten offen bleibe, ob tatsächlich mehr Männer unfruchtbarer geworden sind. Zur Beweglichkeit der Spermien etwa gab es in der Studie keine Daten. Für die Befruchtung einer Eizelle sei die Zahl vorwärts-beweglicher Spermien aber entscheidender als die absolute Anzahl, so DGU-Expertin Kliesch. Sie verweist auch darauf, dass die Entwicklung teils auf verbesserte Messmethoden zurückgehen könnte.


Nota. - Von gerechter Sprache hatten die israelischen ForscherInnen wohl noch nie was gehört. Von Genderstudien vielleicht auch nicht.
JE 



Samstag, 29. Juli 2017

Starke Frauen ganz nah an der Macht.

aus FAZ.NET, 28. 7. 217

... Die vier im Irak festgenommenen deutschen Frauen sollen bei der Sittenpolizei der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gearbeitet haben. Das berichtete der „Spiegel“ am Freitag vorab aus seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf deutsche Sicherheitsbehörden. Die sogenannte Khansa-Brigade war demnach in den IS-Hochburgen Rakka und Mossul aktiv.

Sie sorgte dafür, dass sich Frauen an die Kleiderregeln der Dschihadisten hielten. Wer sich nicht verhüllte oder Make-Up unter dem Gesichtsschleier trug, wurde ausgepeitscht. Die vier mutmaßlichen deutschen Dschihadistinnen, darunter eine 16-Jährige aus Sachsen, waren von irakischen Streitkräften im Zuge der Rückeroberung Mossuls gefasst worden. ...

Die Bundesregierung gehe nach ersten Gesprächen mit irakischen Behörden davon aus, dass keiner der Frauen die Todesstrafe droht. Deutschen Diplomaten sei signalisiert worden, dass es keine Hinweise auf eine Beteiligung an Morden oder Kampfhandlungen gebe. ...


Nota. - Riskiert haben sie nix.
JE
 










Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE

Freitag, 28. Juli 2017

Dem Feminismus gehen die Legenden aus.

Kind auf einer Schaukel
aus Süddeutsche.de, 

Väter stöhnen lieber nicht
Vor allem für Frauen sind Kind und Karriere eine doppelte Belastung, heißt es. Doch Psychologinnen kommen jetzt zu einem anderen Schluss.

Von Sebastian Herrmann

Zu den vielen Gewissheiten in der endlosen Diskussion über die Vereinbarkeit von Karriere und Familie zählt, dass vor allem Frauen unter der Doppelbelastung leiden. Das populäre Bild besteht aus gestressten Müttern, die sich zwischen den Ansprüchen von Kindern und Arbeitgebern zerreiben, während Väter rücksichtslos Karriere machen und sich dabei nicht von den Bedürfnissen ihrer Familien irritieren lassen. Doch dabei scheint es sich um eine Legende zu handeln, denn Männer leiden ebenso, wenn sie versuchen, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Das zeigt eine Studie, die Forscher um Kristen Shockley von der University of Georgia im Journal of Applied Psychology veröffentlicht haben.

Für die Arbeit wertete das Team um die Psychologin mehr als 350 Einzelstudien mit insgesamt etwa 250 000 Teilneh- mern aus - ein sehr großer Datensatz, der für die Qualität der Veröffentlichung spricht. Etwa die Hälfte der analysierten Studien stammt aus den USA, die anderen aus Europa und Asien. "Im Wesentlichen haben wir kaum belastbare Beweise dafür gefunden, dass Frauen und Männer in unterschiedlichem Ausmaß durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie belastet werden", sagt Shockley.

Geringe Unterschiede identifizierten die Forscher nur bei Doppelverdienerpaaren: In dieser Konstellation klagten Mütter geringfügig häufiger darüber, dass Familienangelegenheiten ihre Arbeit beeinträchtigten; und Väter, dass die Arbeit ihr Familienleben störe. Doch diese Differenzen seien so gering, dass sie kaum praktisch relevant seien, so die Forscher.

Die Ergebnisse stehen in starken Kontrast zur öffentlichen Wahrnehmung der Problematik. Das Thema werde in den Medien fast ausschließlich als Frauenthema diskutiert, so Shockley. Dadurch drehe sich die Diskussion im Kreis: "Frauen hören von anderen Frauen, dass sie mit dem Problem kämpfen und alleine dadurch entsteht die Erwartung, dass sie größere Schwierigkeiten haben werden als Männer, Beruf und Familie zu vereinbaren", sagt die Psychologin.

Geschlechterdebatte wird von Emotionen getrieben

Männer thematisierten ihre Probleme hingegen zu wenig - offenbar, dafür sprechen einige Studien, weil sie fürchten, dadurch Nachteile im Beruf zu erfahren. "Ich glaube, dieses Schweigen schadet Männern", sagt Shockley, "sie müssen sich auch durchbeißen und erleben den gleichen Arbeits-Familien-Stress wie Frauen, aber niemand erkennt das an."

Hauptmotiv für die Studie war es, empirische Belege zu sammeln, ob und wie sich das Geschlecht auf das Stressniveau auswirkt, der durch den Spagat zwischen Büro und Kinderzimmer entsteht. Ein lobenswerter Ansatz, denn die Debatte rund um Geschlechtergerechtigkeit wird vor allem durch Emotionen und weniger durch nüchterne Daten angetrieben.

Dass Frauen und Männer gleichermaßen darunter leiden, an zwei Fronten an ihren eigenen Ansprüchen zu scheitern, sei auch nicht davon abhängig, wie gerecht das Zusammenleben der Geschlechter in einer Gesellschaft organisiert sei. Der einzige Unterschied, für den sich in Studien Indizien finden lassen: Wo Gleichberechtigung in besonderem Ausmaß erreicht ist, wird offenbar Verhalten erst recht durch die Geschlechterbrille betrachtet und interpretiert. Das könnte erklären, dass der Konflikt zwischen Beruf und Karriere in den westlichen Ländern als fast reines Frauenthema diskutiert wird.


Donnerstag, 27. Juli 2017

Wieder sind die Männer schuld.


  Dionysos-Heiligtum
 
Die neuerlichen Meldungen über die schwindende Zeugungskraft westlicher Männer schreien nach Kommentaren in gerechter Sprache. Etwa so: Jahrzehntelang hat man die Schuld an sinkenden Kinderzahlen dem Gebärstreik der Frauen angelastet; nun aber zeigt sich, dass es nicht die Frauen sind, die nicht mehr wollen, sondern die Männer, die nicht mehr können!

Kleinlaut entgegne ich: Was erwartet Ihr denn? Jahrzehntelang seid Ihr uns feministisch auf die ... gegangen - das kommt davon! 


(So versteht man auch, dass das Phänomen einstweilen ein spezifisch westliches ist.) 





Mittwoch, 26. Juli 2017

Wird Samen knapp?

"Spermienkrise" in den Industrieländern: Die Spermienzahl der Männer sinkt immer weiter.
aus scinexx

Männer haben immer weniger Spermien 
Drastische, anhaltende Abnahme mit noch unbekannten Ursachen 

Alarmierender Trend: Die Männer der westlichen Welt produzieren immer weniger Spermien. Seit 1973 ist ihre mittlere Spermienzahl um gut die Hälfte gesunken – Tendenz weiter fallend, wie eine Metastudie nun belegt. Im Extremfall bedeutet dies, dass immer mehr Männer in Nordamerika, Europa und Australien unfruchtbar werden könnten. Die Ursache für diese "Spermienkrise" ist jedoch bisher unbekannt. 

Spermien haben es nicht leicht: Als wäre der Weg zur Eizelle nicht schon beschwerlich genug, können den flinken Samenzellen auch noch vielerlei äußere Einflüsse schaden. Sind Männer erhöhter Belastung durch Pestizide, aber auch hormonähnlich wirkenden Chemikalien ausgesetzt, beeinträchtigt dies die Fitness ihrer Spermien. Zudem können Umweltgifte und Übergewicht auch die Zahl der Spermien verringern, wie Studien zeigen.

Spermienzahl halbiert

Wie es insgesamt um die Spermien der Männer aussieht, haben nun Hagai Levine von der Hebräischen Universität Jerusalem und seine Kollegen untersucht. Sie werteten dafür die Ergebnisse von 185 Studien aus der Zeit zwischen 1973 und 2011 aus. Die Teilnehmer stammten aus allen Regionen der Erde und hatten dort an allgemeinen Gesundheitsstudien teilgenommen. Dabei wurde auch ihre Spermienzahl erfasst.

Das Ergebnis: In den knapp 40 Jahren seit Beginn der Studien ist die Spermienmenge von Männern in der westlichen Welt drastisch gesunken. Die Forscher fanden eine Abnahme der Spermienzahl um 59,3 Prozent und eine Verringerung der Spermiendichte um 52,4 Prozent. Betroffen sind vor allem Männer in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland.

Anhaltende "Spermienkrise"

Hinweise auf eine abnehmende Spermienzahl hat es in den letzten Jahren schon häufiger gegeben. Teilweise wurde sogar von einer "Spermienkrise" gesprochen. Es blieb aber umstritten, wie verbreitet dieses Phänomen tatsächlich ist. "Diese Arbeit bestätigt nun eine negative Entwicklung, die sich seit Jahrzehnten abzeichnet und weitreichend ist", kommentiert Artur Mayerhofer von der Universität München. "Dieser Trend ist bedenklich und sollte wahrgenommen werden."


Levine und seine Kollegen appellieren an Gesundheitsbehörden und ihre Kollegen, sich auf die Suche nach den Ursachen dieser steilen Spermienabnahme zu machen. Denn nur dann könne man diesen Trend abbremsen und dem Spermienverlust vorbeugen. (Human Reproduction Update, 2017; doi: 10.1093/humupd/dmx022)

(The Hebrew University of Jerusalem / SMC, 26.07.2017 - NPO) 


Nota. - Na und? Das kann doch nur FamilistEn jucken. Selbst ist die Frau.
JE 


Dienstag, 25. Juli 2017

Nicht bei uns!


aus Tagesspiegel.de

Eine Art Verfassungsschutzbericht der Gender-Szene

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat das Portal "Agent*In" freigeschaltet. Dort zu lesen: Eine denunziatorische Liste von Organisationen und Namen. Eine Glosse.

von  

Wieder ein neues Schimpfwort gelernt: Familismus. Es bezeichnet die Auffassung, die Familie sei Kern und Leitbild der Gesellschaft. Und die ist praktisch verboten, oder sagen wir, noch wird sie abwartend beobachtet. Ich bin drauf gekommen, weil die Heinrich-Böll-Stiftung, also die Ebert-Stiftung der Grünen, in der vergangenen Woche das Portal „Agent*In“ freigeschaltet hat, das sich wie eine Art Verfassungsschutzbericht der Gender-Szene liest. Es kulminiert in einer absurd zusammengebastelten Liste von Organisationen und Namen, die nicht anders als denunziatorisch zu nennen ist: Die da sind gegen uns, und wir sind gegen sie. Versteckt wird das treuherzig hinter dem sachlich lexikalischen Anstrich eines „Wiki“. 

Der Trick, den man nicht anders als ideologisch motiviert interpretieren kann, geht so: Von rechtsextremen Fanatikern über streitbare Konservative bis zu Liberalen, die lediglich die Gendertheorie für Unfug halten, wird alles in den Sack „Anti-Feminismus und Gender-Kritik“ gesteckt und gleich geprügelt: genderkritisch gleich homophob gleich antifeministisch gleich pfui. 

Über Martenstein heißt es, er sei ein "heteronormativ orientierter Journalist"

Und so stehen nun der äußerst rechte Verschwörungs-Pegidist Jürgen Elsässer, die konservative Publizistin Birgit Kelle („familistisch“) und der höchst liberale Tagesspiegel-Kollege Harald Martenstein auf einer schwarzen Liste. Komischerweise fehlt der fiese FAZ-Blogger Don Alphonso, und auch Henryk M. Broder wurde ausgespart – er schäumt schon und wird sich das Recht, auf „Agent*In“ erscheinen zu dürfen, vermutlich gerichtlich erkämpfen.

Über die Untaten Martensteins heißt es übrigens, er sei ein „heteronormativ orientierter Journalist“, der die Gender-Forschung als ideologisch orientierte „Antiwissenschaft“ bezeichnet habe. Man denke! Ich persönlich bin übrigens weniger gegen die Forschung als gegen die politischen Forderungen, die auf diesen wackligen Boden hingemörtelt werden – vielleicht war das als Delikt nicht genug für die Liste. Buhu!

Ein Gedankenspiel: Wie wäre es mit einer steuerfinanzierten Namensliste von rechts außen, auf der Gender-Professorinnen, schwule Blogger und linksfanatische Schmalspur-Terroristen nebeneinander zur Observation freigegeben werden? Eklige Vorstellung, finde ich. 




Anfang vom Ende der HexeRjagd?

Emma Sulkovicz mit Matratze
aus FAZ,

Eine erfundene Vergewaltigung zu viel

 

Sie ist für viele eine Heldin. Hillary Clinton hat gesagt, man sollte sich anschauen, was sie tut – das Bild sollte alle verfolgen. Senatorin Kirsten Gillibrand lud sie ein, um bei Obamas Ansprache an das Volk auf einem prominenten Platz zu lauschen, was der Präsident zu sexueller Gewalt sagen würde. Sie konnte im Time Magazine ein gross präsentiertes Editorial schreiben. New York Times, Guardian, CNN und Washington Post berichteten über sie und ihr Kunstprojekt, das sie so lange fortsetzen wollte, bis der Mann, der sie nach ihrer Behauptung vergewaltigt haben sollte, die gemeinsame Universität verlassen hätte. Sie trug dazu eine Matratze über den Campus, um den Beschuldigten unter Druck zu setzen, und bekam dafür den Susan B. Anthony Award der National Organization for Women. Der Beschuldigte wurde auf dem Campus bedrängt, verfolgt, und in den Medien von – auch deutschen – Aktivistinnen, denen man dafür Platz einräumte, als “mutmasslicher Vergewaltiger“ diffamiert. Und das, obwohl die Untersuchungen der Universität als auch der Polizei kein Fehlverhalten feststellen konnten. Sie heisst Emma Sulkowicz und galt bislang als bekanntestes Opfer einer Campus Rape Serie, die die Demokraten in den USA zu bekämpfen versprachen.



Ihr Opfer wurde schikaniert, durch die Medien gehetzt, und letztlich klagte er gegen die Universität aufgrund von Title IX der amerikanischen Bürgerrechte, weil seine Rechte und sein Leben durch die “Kunst“ massiv beeinträchtigt wurde. Nach längerem Hin und Her und dem peinlichen Versuch der Universität, aus formalen Gründen die Hände in Unschuld zu wachen, kam es schließlich zu einer aussergerichtlichen Einigung, und die Columbia University veröffentlichte ein gewundenes Statemaent als Entschuldigung, dass sie sie Aktion und den dazu gehörenden Mob zugelassen hat:

Columbia recognizes that after the conclusion of the investigation, P.’s remaining time at Columbia became very difficult for him and not what Columbia would want any of its students to experience. Columbia will continue to review and update its policies toward ensuring that every student — accuser and accused, including those like P. who are found not responsible — is treated respectfully and as a full member of the Columbia community.



Clinton, Obama, Gillibrand, fast die gesamte feministische Szene, der hasserfüllte Mob, die amerikanischen Medien und die Deutschen, die kritiklos abgeschrieben haben, was dort stand, und die weitgehend ignorierten, dass der Betroffene von den Vorwürfen freigesprochen wurde, obwohl die Universitäten scharf gegen jeden Vergewaltigungsverdacht vorgehen müssen, weil ihnen von der Obama-Administration unter Verweis auf Title IX der Entzug staatlicher Gelder angedroht wurde: Sie alle sind bis auf die Knochen blamiert. Die gefeierte feministische Kunstaktion ist nun etwas, das sich nicht wiederholen wird, und die frühere Heldin Emma Súlkowicz verweigert auf Medienanfragen bislang jeden Kommentar.

Dafür steht sie in einer Reihe mit den anderen beiden ebenso prominenten wie falschen Vergewaltigungsbehauptungen: Zuerst hatte der Fall von “Jackie” Furore gemacht, die bei einer Verbindungsfeier Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden sein wollte. Es dauerte eine Weile, bis sich herausstellte, dass Jackie sich das alles nur ausgedacht hat – mit verheerenden Folgen für die Universität und die Zeitschrift Rolling Stone, die mit einem schockierenden Fall Aufmerksamkeit erzeugen wollte, und mehr davon bekam, als ihr lieb sein konnte. Kurz danach flog die Schauspielerin und Feministin Lena Dunham auf, die in ihrer Autobiographie von einer Vergewaltigung durch einen Republikaner berichtet hatte: In einer demütigenden Stellungnahme war der Verlag gezwungen, die Angaben von Dunham zu korrigieren, die ungeachtet dessen weiterhin die feministische Sache an der Seite von Hillary Clinton befördern wollte. Sobald Clinton Präsidentin wurde.



Allerdings blieb – entgegen der Erwartungen eben jener Medien, die schon Emma Sulkowicz glaubten – der erdrutschartige Sieg Clintons aus, und Donald Trump wurde Präsident. An seiner Seite zog der berüchtigte Steve Bannon ins Weisse Haus als Berater ein. Bannons viel gescholtenes Onlineportal Breitbart hatte in den Fällen von Jackie, ´Dunham und Sulkowicz die eher kurze Liste der kritischen Medien angeführt, und Gruppen breiten Raum eingeräumt, die sich um jene kümmerten, die von den rigiden und wenig rechtsstaatlichen Ermittlungen der Universitäten betroffen waren. Die Journalistin Asche Show schrieb auf dem trumpfreundlichen Portal “Washington Examiner” und später im Observer eine ganze Serie über teilweise haarsträubende Verfahren gegen Beschuldigte an Universitäten.

Die Gegenseite konzentrierte sich dann voll auf den wasserdichten Fall von Brock Turner, einem jungen Studenten und Sportler, der sich in Kalifornien nach einer Verbindungsparty an einer Frau vergangen hatte. Täter und Opfer waren wie oft in derartigen Fällen stark betrunken, das Opfer befand sich schon in einer Art alkoholbedingtem Koma. Turner wurde von zwei Studenten über seinem wehrlosen Opfer in flagranti ertappt und angeklagt, wobei sich der Vorwurf der vollzogenen Vergewaltigung allerdings nicht bestätigte: Turner war die Frau nicht mit seinem Genital eingedrungen. Der Richter hätte Turner für bis zu 14 Jahre Gefängnis verurteilen können, berücksichtigte aber das Gutachten der Bewährungshelfer, und beließ es bei sechs Monaten Haft und drei Jahren Bewährung, sowie einem lebenslangen Eintrag als “Sexual Offender”. Berücksichtigt wurde die Jugend und das bis zur Tat straffreie Leben des Täters. Für die Aktivistinnen war der Fall das beste Beispiel für die Zustände auf dem Campus: Ein reicher Sohn, eine exzessive Party, Alkohol, Verbrechen, und dann ein Richter, der ein viel zu mildes Urteil spricht. Das Opfer veröffentlichte einen empörten Brief, der von allen grossen amerikanischen Medien verbreitet, von Abgeordneten vorgelesen und vom Vizepräsidenten gelobt wurde. Vor dem Haus von Turners Eltern gab es eine Demonstration, bei der gefordert wurde, den “örtlichen Vergewaltiger” zu erschiessen.



Ein glasklarer Fall ändert aber wie eine erfundene Vergewaltigung nichts am Umstand, dass die Universitäten von allen Seiten unter massivem Druck stehen. Auf der einen Seite war der “Dear Colleagues”-Brief der staatlichen Bürgerrechts-Kontrolleure von 2011, der eine harte Gangart seitens der Regierung ankündigte:: Hochschulen mussten bei nachsichtigem Umgang mit Vergewaltigungsbeschuldigungen damit rechnen, durch die Streichung von Bundesmitteln an den Rand des Ruins bringen konnte. Zudem wurden, wenn sich Betroffene mit dem uniinternen Ablauf ihrer Verfahren gegen mutmassliche Täter unzufrieden zeigten, Untersuchungen gegen die Hochschulen eingeleitet und veröffentlicht – in der aufgeheizten Debatte eine Art Pranger und ein schwerer Schlag für den Ruf der Institutionen. Schutz vor staatlichen Massnahmen boten schnelle, harte und rechtsstaatlich fragwürdige Verfahren, bei denen es nicht mehr auf die zweifelsfrei erwiesene Schuld der Täter ankam – mit der Folge, dass es inzwischen Dutzende von bekannten Fällen gibt, in denen zu Unrecht Verurteilte wiederum mit Erfolg die Universitäten verklagten. Berichte über die als unfair und Männer benachteiligend empfundene Praxis trugen maßgeblich zum Erfolg des Portals Breitbart bei. Aktivistinnen der Gegenseite warnten, ein Sieg des wegen seiner Ausfälle berüchtigten Donald Trump könnten das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen lassen.

Daher kam die Entschuldigung der Columbia University für sie zum schlechtesten Moment: Gerade weil sich der Kläger selbst auf jenen Title IX berufen hatte, über den die Obama-Administration und Aktivistinnen rechtlichen Druck aufbauten, zeigte sich das Problem der schwammig formulierten Regelung. Auf sie kann sich jede Frau berufen, die sich sexuell belästigt fühlt, was nach Ansicht der Aktivistinnen schon bei Blicken beginnen kann, oder bei der Behandlung von Themen, die sie traumatisieren könnten, wie beispielsweise Texte von Shakespeare. Aber auch jeder Student, der von derartigen Aktivistinnen verfolgt, beschuldigt oder in seiner Entfaltung behindert sieht. Die Obama-Administration wollte, dass Title IX für Frauen möglichst weitgehend ausgelegt wurde – im Ergebnis ist es für die Universitäten unmöglich, in diesem Konflikt zwischen überzogenen Erwartungen, Radikalfeminismus und Partyexzessen einen Standpunkt einzunehmen, der echte Gerechtigkeit verspricht.



In der Folge gibt es die bemerkenswerte Entwicklung, dass die New York Times ein Editorial der gemässigten Feministin und Title-IX-Kritikerin Cathy Young zulässt, das Trumps Bildungsministerin Betsy DeVos und ihrem Versuch, das Problem zu lösen, weitgehend recht gibt. Während die trumpkritische Washington Post noch ebenso geschlossen wie erfolglos den Rücktritt der verantwortlichen Beamtin fordert, die sich etwas salopp zu den akoholschwangeren und feministischen Hintergründen der Campus Rape Empörung äußerte, hat man beim früher führenden Medium der Opfer mittlerweile ein gewisses Einsehen für die Strategie von DeVos, mit allen Beteiligten und Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Für Feministinnen ist allein das ein unerträglicher Skandal: Nach dem Motto “Believe the Victim” sollte erst gar nicht mit den möglichen Tätern, Männerrechtsorganisationen und sonstigen Vertretern abweichender Meinungen gesprochen werden. Eine der radikalsten Organisationen liess es sich nicht nehmen, DeVos vorab Anweisungen zu erteilen, wie sie zu verfahren hätte – und wurde prompt von den Gesprächen ausgeladen.

Der Guardian, Teen Vogue und die Washington Post werden vermutlich auch weiterhin ein Ohr für radikale Forderungen haben, während College Fix, Observer und Breitbart über den täglich neuen Wahnsinn an Universitäten berichten, dem gerade wieder ein Vortrag des Atheisten Richard Dawkins zum Opfer gefallen ist. DeVos hat sich derweil zu ihren Absichten geäußert und die schlimmsten Befürchtungen zerstreut: Sie wolle auf gar keinen Fall zurück in die Zeit, als Verfahren von Frauen weggewischt wurden, und sie erkennt an, dass die Universitäten für alle ein sicherer Ort sein müssen. Wichtig seien vor allem verlässliche und vertrauenswürdige Verfahren. Wie wenig bislang davon die Rede sein kann, zeigt ein weiterer, aktueller Fall, in dem ein Universitätsvertreter einer Klägerin geholfen haben sollen, massive Unstimmigkeiten ihrer Anklage zu bereinigen.



Der staatliche Druck auf die Hochschulen wurde schon jetzt reduziert, indem nicht mehr veröffentlicht wird, wo gerade Ermittlungen der Bundesbehörden laufen. Und Aktivistinnen befürchten wohl nicht ganz zu Unrecht, dass Universitäten die Klage des Opfers von Emma Sulkowicz zum Anlass nehmen, radikale Formen des Protests zumindest gegen Einzelpersonen nicht mehr auf dem Campus zu dulden.




Sonntag, 16. Juli 2017

Sie kommen eben immer zu spät.

aus Der Standard, Wien, 14. Juli 2017, 15:58

Frauen – und die neue Welle der Männlichkeit
Die Männer erfinden sich neu und erobern neues Terrain. Die Frauen haben es bisher nie geschafft, sich neu zu erfinden und dafür überhaupt – ganz zu schweigen von angemessen – bewundert zu werden 

von Martina Gleissenebner-Teskey

Merken Sie das auch? Wann immer es um Aufbruch, Zukunft, Bewegung geht, dann blickt uns das männliche Antlitz eines Hoffnungsträgers entgegen: in der Politik in seiner glatt rasierten, Maßanzug-verpackten Version – in der mit Hoffnung beladenen Start-up-Welt in seiner nur scheinbar entfesselten, bobogestylten, gern sich auch mit akkurat gestutztem Vollbart demonstrierenden Version.

Hier Emmanuel Macron und Justin Trudeau und auf der nationalen Bühne Sebastian Kurz und, ja, warum nicht, auch ein Christian Kern, auch wenn er eigentlich schon fast zu alt für den Trend ist.

Liebkinder

Dort die neuen Liebkinder und Hoffnungsträger der Start-up-Szene mit ihren merkwürdigen Exemplaren vom Typ Daniel Cronin, Ali Mahlodji oder Vlad Gozman, um einige österreichische Proponenten zu nennen.

Sogar bei den Grünen hat nun Jung, Knackig, Männlich gesiegt. Ein Julian Schmid hat wohl dieselbe Idee von Bewegung im Kopf wie ein Jesse Klaver in den Niederlanden.

Was allen gemein ist, ist die mutige Eroberungsmentalität, die bei Männern seit Anbeginn der Menschheit als bevorzugtes Charaktermerkmal gilt und die allein sie in den Alpharang zu erheben vermag. Sie setzen sich mit der so typisch männlichen "Ich kann das"-Mentalität über bisher geltende Grenzen hinweg, und alle jubeln ihnen zu, ja, manchmal hat man das Gefühl, einen leicht orgasmischen Seufzer gerade bei den weiblichen Anhängern zu hören.

Cool und locker

Die Mehrheit ist tatsächlich jung, die andere macht auf jung, um den Anschluss nicht ganz zu verlieren. Je cooler, je lockerer, je lässiger desto besser. Je (slim-)fitter, je ausdrucksstärker, je scheiß-draufiger, desto erfolgreicher. Dabei entsteht diese neue Respektlosigkeit nicht auf dem Boden von Ahnungslosigkeit und Ungebildetheit, sondern ist ganz im Gegenteil der Ausdruck einer neuen Abgehobenheit, die sich den Anstrich von Bodennähe gibt.

Und sogar das Kinderwagenschieben wird nun cool. Der Papamonat ist Ausdruck der neuen Freiheit des Mannes. Er trägt seine kleine Kopie mit Lässigkeit am starken, bevorzugterweise tätowierten Arm, in der anderen Hand das Smartphone am Ohr. Daheim kocht er natürlich und trägt auch den Mist raus – jetzt ist es nämlich er, der alles kann. Und wenn der moderne Paps die Sprösslinge im Kindergarten abliefert, dann stehen die immer noch mehrheitlich weiblichen Betreuerinnen (das Gehalt ist nach wie vor zu niedrig) am Empfang und haben den Rest des Tages ein vortreffliches Gesprächsthema.

Voll im Trend

Das Interessante dabei ist nicht, dass es die Männer wieder einmal geschafft haben, voll im Trend der Zeit zu liegen, sich neu zu erfinden und neues Terrain zu erobern, sondern dass es die Frauen bisher nie geschafft haben, sich neu zu erfinden und dafür überhaupt – ganz zu schweigen von angemessen – bewundert zu werden.

Oder wer kennt sie, die coole Vorzeigefrau – Unternehmerin oder Politikerin -, die außerdem eine lässige Mutter ist und ihren Haushalt mit links schaukelt? Der man bewundernd nachraunt, wenn sie die Kids im Kindergarten abliefert und als Chefin durch die Bürotür tritt? Ist da nicht immer diese karrieregeile Verbissenheit, die ihr jegliche Lässigkeit nimmt, die sie unweiblich macht, und wenn sie schon erotisch ist, na dann hat sie doch sicher den horizontalen Aufzug genommen? Hat man jemals den Frauen zugejubelt, weil sie ehemals männliche Domänen für sich erobert haben?

Grenzerweiterung

Ich kann mich nicht erinnern. Jeden Schritt der persönlichen Grenzerweiterung haben sich Frauen hart erkämpft, und nie gab es Bewunderung dafür – weder von Frauen noch Männern.

Ach? Sie entgegnen, es gäbe doch wohl auch Frauen unter den Start-ups? Ja, natürlich – so lange sie jung, cool und frei sein können, sozusagen die kinderlose, penislose, bebuste Version der Männlichkeit, dann dürfen sie mitspielen.

Und außerdem, entgegnen Sie, die neuen Männer an der Macht sind allesamt Frauenförderer? Na wenigstens das. Ohne sie würden Frauen wohl wirklich nirgends hinkommen.

Die Frage stellt sich – und ich gebe zu, sie ist provokant: Ist die Frau vielleicht tatsächlich nur ein Anhängsel des Mannes? Oder wo ist sie, die weibliche Version von Zukunft, Aufbruch und Bewegung?

Wo sind sie, die weiblichen Hoffnungsträger? 

Martina Gleissenebner-Teskey ist Trainerin, Autorin und Coach, arbeitet seit 1996 zum Thema Charisma. -

Sonntag, 18. Juni 2017

Endlich: Frauenquote auch beim Nobelpreis.


Die FAZ veröffentlicht heute unter der Überschrift Genderlogik eine Glosse  von zur mangelnden Gleichstellung von Männern und Fruen in der Wissenschaft. Daraus:

... Eine neue Studie aus der amerikanischen Philosophie legt davon ein beredtes Zeugnis ab. Ihr Befund ist, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, deckungsgleich mit dem, was kürzlich eine Erhebung aus der Astrophysik in der Zeitschrift „Nature“ dokumentierte: Frauen sind in akademischen Publikationen unterrepräsentiert. Demnach lag zwischen 2004 und 2015 der Frauenanteil unter den Autoren in 25 renommierten philosophischen Zeitschriften bei 14 bis 16 Prozent. Das sind rund zehn Prozent weniger, als Frauen in philosophischen Fakultäten vertreten sind. In der Astrophysik erhalten Frauen laut neuesten Berechnungen rund zehn Prozent weniger Zitationen als Männer, obwohl die Qualität ihrer Publikationen sich nicht von der ihrer männlichen Kollegen unterscheidet.

Nun funktioniert die Erfolgslogik des zeitgemäßen Wissenschaftsmanagements aber so: Je mehr Publikationen in renommierten Zeitschriften, desto besser der eigene Zitationsindex, desto größer die Chancen auf eine attraktive Professur. Die Autoren der „Philosophical Studies“ regen deshalb an, für jeden wissenschaftlichen Text einen „Bechdel-Test“ zu machen: Wurden mindestens zwei Philosophinnen zitiert und mindestens eine davon sinnvoll im Text rezipiert, und wird mindestens eine deshalb zitiert, weil sie die Arbeit derselben oder einer anderen Frau, auf keinen Fall aber die eines Mannes, diskutiert? Wer alles mit „ja“ beantworten kann, hat den Test bestanden. ...



Dienstag, 13. Juni 2017

Der wahre Grund, warum Frauen Beruf und Familie schlecht vereinbaren können.


Die FAZ bringt heute einen Artikel von Patrick Bernau über die wahren Gründe, weshalb vor allem Frauen Mühe haben, ihr Familienleben mit einer Erwerbstätigkeit in Einklang zu bringen:

Viele, vor allem hoch qualifizierte Frauen, bekommen stattdessen gar keine Kinder: Sie haben Probleme mit der Work-Life-Balance. Tatsächlich sind Work-Life-Balance-Probleme bei höher qualifizierten Deutschen verbreiteter als bei niedriger qualifizierten. Das liegt nicht nur daran, dass höher qualifizierte Stellen oft mehr Arbeitszeit verlangen, sondern auch daran, dass der Stress aus der Arbeit häufig in das Privatleben überschwappt und der Beruf eher unter privatem Stress leidet. Dazu kommt, dass in höher qualifizierten Berufen oft mehr Rationalität und Kompromisslosigkeit erwartet wird: ganz anderes Verhalten als in der Familie. So haben es frühere Studien erfragt.

Zwei andere Forscherinnen haben jetzt nachgewiesen: Hochqualifizierte Frauen tun sich mit der Work-Life-Balance schwerer als hochqualifizierte Männer – und das liegt nicht zuletzt daran, dass Frauen Risiken scheuen.


Risiken sind alltäglicher Teil der Kindererziehung. Riskieren die Eltern, dass ein Kind beim Laufen lernen hinfällt, oder fangen sie es auf? Riskieren sie, dass sie das Kind zehn Minuten zu spät aus dem Kindergarten abholen, oder kommen sie lieber eine Viertelstunde zu früh? Ständig haben Eltern solche Entscheidungen zu treffen. Risiken sind aber auch alltäglicher Teil vieler hochqualifizierter Tätigkeiten: Ärzte müssen entscheiden, ob sie noch eine zusätzliche Untersuchung anordnen. Angestellte müssen entscheiden, ob sie das Risiko eingehen, eine Aufgabe ihres Chefs noch liegen zu lassen – schließlich schließt der Kindergarten bald.

Eine Studie der Ökonominnen Anne Busch-Heizmann und Elke Holst zeigt: Wer Risiken scheut, hat mehr Probleme mit der Work-Life-Balance. Das ermitteln sie aus dem sozio-ökonomischen Panel, einer jährlichen Umfrage unter mehr als 20.000 Deutschen. Die Umfrage zeigt: Frauen fühlen sich auch häufiger unterbezahlt als Männer und bei der Arbeit oft nicht angemessen gewürdigt. Aber: Entscheidend für die Work-Life-Balance ist, wie man mit Risiken umgeht. Risikoscheue Männer fühlen sich ebenso zwischen Arbeit und Familie zerrissen wie risikoscheue Frauen. Allerdings sind es die Frauen, die Risiken häufiger aus dem Weg gehen – und in der Folge größere Probleme mit der Work-Life-Balance haben.